Kultur

Allgemeines

Die sehr alte und reichte Kultur Ägyptens ist den meisten von uns sehr wohl bekannt und ruft ein Gefühl des „Nachhausekommens“ in uns hervor sobald man das Land besucht. Sogar Kinder fühlen diese Assoziation bereits und verschlingen die interessanten Beschreibungen des Landes.

Ägypten war 5000 vor Christus in seiner vollen Blüte. Zur Zeit des Pharaos Meses wurden die weltbekannten Pyramiden in den Richtungen und mit der Hilfe des Kosmoses gebaut. Über Jahrhunderte hinweg waren die Pyramiden große Attraktionen für uns Menschen. Wenn man einmal vor diesen kolossalen Bauwerken steht und diese auch noch betritt, so hinterlässt dies einen lebenslangen Eindruck.

Die Westliche Wüste

Genauso beeindruckend ist die Westliche Wüste Ägyptens mit seiner einzigartigen Vielfalt an felsiger Landschaft. Sie kann nicht mit Worten beschrieben werden, da sie kaum in Photografien gefasst werden kann. Die Wüste hat viele Gesichter: die Berge sind zerklüftet, manchmal mit scharfen Konturen von weißem Sand oder öfters ist sie auch bedeckt mit schwarzer Lava.

Vor Millionen von Jahren war die Westliche Wüste ein riesiges Ozeangebiet was die trockenen, versteinerten Wasserwege bezeugen. Ein Beweis dafür sind weiters die waffeldünnen Muscheln und Fossilien von Wassertieren und –pflanzen. Während unsere Natur wächst und gedeiht durch Wasser das von oben kommt, so verdankt die Westliche Wüste ihre fruchtbaren Oasen dem Wasser von unten. Die Oasen entstanden und entstehen durch das üppige Auftreten von uralten Wasserquellen.

 

 


Die Bevölkerung

Als Menschen noch zu Fuß oder mit dem Kamel durch die Wüste von einer Oase zur anderen zogen, entstanden die so genannten „camel tracks“. Vor einigen Generationen, siedelten sich die Beduinen in den Oasen an und gründeten kleine Dörfer. Die Menschen versorgten sich selber durch Obst- und Gemüseanbau und bauten die ersten Schlammhütten.

Ziemlich viel dieser alten Kultur blieb glücklicherweise erhalten, obwohl der weiße Lehmstein immer wichtiger wird. Die erste Hütte in dem Dorf von „Bawiti“ - benannt nach dem Gemeindechef (Bürgermeister), blieb erhalten und das alte Dorfzentrum wird nicht mehr länger bewohnt sondern dient heutzutage als „Museum“.

Die moslemische Bevölkerung von der Oase Bahariya (30.000 Einwohner) ist sehr höflich und gastfreundlich. Die Leute sind glücklich und arbeiten mit dem Ziel einer lebenswerten Oase vor Augen. Sie werden von der Regierung unterstützt, die immer mehr unabkömmliche Erleichterungen zur Verbesserung der Lebensumstände schafft.

Alle Kinder gehen zur Schule. Das Schulwesen verbessert sich zusehends und einige Schulen haben sogar Computer. Kinder, die aus kleineren abgelegeneren Orten stammen, bleiben in der Regel während der Schulzeit bei Verwandten um die Möglichkeit der Schulbildung zu nützen.

Unglücklicherweise sind Schulen in abgelegenen Gemeinden noch nicht mit Basismaterial ausgestattet. Deshalb gibt es dort auch keine Tische, Stühle, Schreibmaterial geschweige denn Bücher für diese Kinder.

Wenn man ein Oasendorf zum ersten Mal besucht, so kommt es einem vor als ob die Zeit stehen geblieben wäre. Die Männer reiten täglich auf ihrem Esel oder sitzen auf einem vom Esel gezogenen Karren auf die Plantagen um grünes Gras für ihre Rinder zu schneiden oder um die Dattel- und Obstbäume zu pflegen. Bevor sie bei Sonnenuntergang heimkehren, waschen sie sich bei einer Warmwasserquelle, wo man auch immer Seife zur freien Entnahme vorfindet. Am Abend dann versammeln sich die Männer in Teehäusern und erzählen sich das Neueste, trinken zuckersüßen Tee und rauchen ihre Wasserpfeife.

Die Frauen wohnen in den Familienhäusern und sorgen für die Kinder und die Großeltern. Dafür passen diese auch des Öfteren auf die Kleinen auf, während diese gemeinsam das Haus putzen, waschen und kochen. Der Tradition gemäß bleibt der Sohn nach seiner Hochzeit bei seinen Eltern und die Schwiegertochter somit zu ihnen zieht.

Das alles klingt sehr nostalgisch, ist es tatsächlich auch, aber in Bahariya bleibt die Zeit nicht stehen. Die Entwicklung geht zügig voran und seit der Ankunft des Fernesehers, sind die Menschen mit der Außenwelt verbunden. Seit 25 Jahren sind Bahariya und die anderen Oasen nun auch schon durch die Asphaltstraßen mit Kairo und Luxor verbunden. Und die Zahl der Autos steigt, und sogar Handys werden schon häufig verwendet.

Die Mischung aus Gegenwart und Vergangenheit verblüfft oft den westlichen Besucher, der dadurch das Gefühl hat in einem Film gelandet zu sein.

Die Beduinen leben im Hier und Jetzt, was bedeutet, dass die Vorschau auf das Morgen durchaus machbar ist, doch die Zeitspanne zum Übermorgen eher zu lange erscheint. Alle zukünftigen Pläne, werden immer gefolgt von den Wörtern „insh`Allah“ (so Gott will).

Die Plantagen

Der größte Teil der Bahariya- Region besteht aus Plantagen, über die das Wasser von den Naturquellen in Übermaß durch Betongräben fließt. Ein einfaches doch sehr effektives System. Die Menschen bedienen sich dem was die Schöpfung für uns bereithält. Es gibt hier noch keine Monopolisten, die alles an sich gerissen haben was jedem Menschen gehört um es um einen hohen Preis zu verkaufen.

Jede Plantage ist umgeben von kleinen Dörfern, wo die Menschen leben. Niemand lebt auf der Plantage, da dies der Arbeitsplatz ist. Alle Einwohner der Bahariya haben traditionell Anspruch auf ein Stück Land der gemeinsamen Plantage. Aber im Laufe der Zeit tauschten, die Menschen, die keine Bauern sein wollten ihr Grundstück mit denen, die es sein wollten. Folglich entstand eine wundervolle Interaction von Angebot und Nachfrage. Anstelle, dass jeder sein eigenes Stück Land bestellte, brachten wirklich professionelle Farmer eine reiche Ernte von ihren größeren Grundstücken ein. Und im Jahr 2006 funktioniert das noch immer so.

Das geerntete Obst, die Datteln und das frische Gemüse von den Plantagen werden im Dorf von den Geschäftsmännern in den kleinen Geschäften und schmalen Gassen verkauft. Wassermelonen werden auf der Straße verkauft. Diese großen Früchte würden zu viel Platz im Geschäft einnehmen. Freilaufende Hühner werden auf dem Marktplatz frisch getötet, sobald man sich auf den Preis geeinigt hat.

Es ist ein wahrhaftes Fest, wenn die Dattelernte beginnt. Diese werden das ganze Jahr über verzehrt, doch frische sind sehr speziell.

 


Alle Früchte, Gemüsesorten, Eier und Fleisch schmecken so wie sie es auch sollen. Die Produkte sind sonnengereift und ungespritzt. Sogar das Brot hat dank des gesunden Getreides einen sehr guten Geschmack.

Der letzte verbleibende Salzsee der Oase liegt am Rande der Plantage. Das Salz wurde aus den Seen von der florierenden Industrie gewonnen, aber heutzutage wird nur der Salzgehalt des Grundwassers reguliert. Viele wunderschöne und bunte Vogelarten haben dort ihren Standort gefunden.

Kulturelle Plätze in Bahariya

Bahariya ist in Wahrheit ein großes kulturelles Gebiet, wo täglich Schätze von vergangenen Zeiten ausgegraben werden. Weite Teile der Oase wurden von der Regierung abgegrenzt und niemand darf hier graben oder bauen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass hier in der näheren Zukunft noch mehr historische Schätze entdeckt werden.

Fünf Kultstätten wurden kürzlich offiziell der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dort wo man früher individuell als Tourist hingehen konnte, wird jetzt ein Reiseführer oder ein Eintrittsticket benötigt.

Diese fünf Orte beinhalten:

Beschreibung des Grabes von Amenhotep Huy:

Amenhotep Huy war ein Regent von Bahariya im New Kingdom, in der späten 18. und der frühen 19. Dynastie.

Ihm wurde der Titel „Gouverneur der Nördlichen Oase“ verliehen, als der Pharao die Wichtigkeit der Oase, besonders für die Verteidigung des Gebietes, erkannte. Andere ernannte Gouverneure kamen vom Nildelta, aber Amenhotep Huy war ein einflussreicher Bürger der Bahariya-Oase.

Dies ist das älteste Grab, das wir bis jetzt kennen, welches von George Steindorf 1900 entdeckt wurde. Wie dem auch sei, konnten kürzliche Ausgrabungen Gräber aus der 12. Dynastie entdeckt werden.

Das Grab, das zum Teil schon verfallen ist, setzt sich zusammen aus einem großen Innenhof, einer Halle und einigen Räumen und Grabkammern. Einige der Wandmalereien der Halle sind noch vorzufinden. Zwei Grabkammern sind aufgeteilt in zwei Kleinere, wo zwei Mumien aus der griechisch-römischen Periode gefunden wurden.

 


Der archetektonische Stil des Grabes bestätigt ihren Reichtum und Wichtigkeit, welche den Gräbern des Nildeltas des New Kingdoms. Die verfeinerten Verziehrungen sind in tiefem Relief und in typischem ägyptischem Stil eingefärbt. Der Wüstensand hat das Grab im Laufe der Jahrhunderte zugedeckt und dadurch die Farben der Malereien geschützt. Die Verziehrungen haben sich seit der Entdeckung Steindorffs ernsthaft verschlechtert.

Der Innenhof zeigt Fragmente von Skulpturen von Amenhotep, wie zum Beispiel wo er vor seinen Untertanen und seinem Besitztum kniet. Die erste Halle beinhaltet Szenen, die die Obsternte, das Füllen der Weingläser und der Getreidesäcke zeigen. Darüber hinaus sieht man einen gedeckten Tisch, überfüllt mit Brot, Früchten, Kuchen und Blumen. Amenhotep Huy selber ist auch portraitiert an der Wand gemeinsam mit seiner Frau Ourly, wo sie gemeinsam zu Min, dem Gott der Fruchtbarkeit, beten.

Das Paar ist auch noch in einem anderen Raum zu finden, wo sie zu Osiris und Khonsu, die das tägliche Leben repräsentieren, beten. Weiters wurden sie noch gemalt wo sie vor Hathor knien. Anubis wird auch verehrt und überladen mit Opfern.

In der Grabkammer wird Amenhotep mit einem Zepter, der seine Autorität symbolisiert, und zwei (unbekannten) Rollen gezeigt. Die Hyroglyphen besagen das Wort „Henki“ das Bier oder Getränk bedeutet. Die beiden Rollen könnten deswegen Rezepte für das Bierbrauen sein.

Bilder mit gefüllten Körben und Steinkrügen weisen darauf hin, dass diese zum Nildelta gesendet wurden.

„Das Tal der Goldmumien“ wurde 1996 entdeckt und besteht aus einer enormen Gruft mit etwa 2000 Mumien, welche alle Goldmasken tragen. Die Bewohner der Bahariya Oase hatten noch keine Ahnung, dass ihre Vorfahren reich genug waren um ihren Toten Goldmasken mitzugeben, noch dass sie für diese Entdeckung berühmt werden würden.

Das Tal wurde noch nicht für die Touristen geöffnet. Man hat die Absicht das Tal zuerst mit Luftschachten, Stiegenhäusern, Korridoren und Balustraden auszustatten um überhaupt Touristen empfangen zu können, aber damit hat man noch nicht begonnen und es wird wohl auch noch einige Jahre dauern. Das Projekt wird vom Ägypter Dr.Zahi Hawass, der immer in neuen Ausgrabungen involviert ist. The Regierung möchte dieses Projekt nicht an ausländische Archäologen vergeben.

Fünf der Mumien wurden ausgegraben und ins Bawiti Museum gebracht. Dieses ist täglich geöffnet und im Pass der fünf kulturellen Plätze mitinbegriffen.

„Das Englische Haus“ ist der Name einer Ruine auf einem der Berge in der Schwarzen Wüste. Diese Festung wurde gebaut während der Schlacht von El Alamein im Zweiten Weltkrieg. Die erste Schlacht von El Alamein (von 1. bis 31. Juli 1942), war eine Schlacht in der Nordafrika Kampagne während des Zweiten Weltkrieges. Die zwei Gegner waren die Deutschen und Italiener unter dem Kommando von Erwin Rommel auf der einen Seite und die achte britische Armee unter dem Kommando von Claude Achinleck auf der anderen.

Ein Besuch bei diesem Platz und der Ausblick auf die Bahariya Oase der einem von dort gewährt wird, sind ein Geschenk von Frieden und Stille.